Ruderalstandort
Zusammenfassung
- Ruderalstandorte sind günstige und naturnahe Alternativen zu Stein- und Schottergärten.
- Sonnige, trockene und nährstoffarme Restflächen und Randbereiche von Wegen und Plätzen sind am besten geeignet.
- Ruderalstandorte sind pflegeleicht, können aber unordentlich wirken.
- Ruderalstandorte sind wertvolle Nistplätze für bodennistende Wildbienen.
Kurzbeschreibung
Ein Gespenst geht um in den Vorgärten Mitteleuropas – das Gespenst der Schottergärten. Sie versprechen Ordnung, Sauberkeit und Kosteneffizienz. Doch schon nach wenigen Jahren überzieht ein Belag aus Staub und Schmutz den weissen Marmorkies, die solitären Zwergkoniferen sind eingegangen und Unkraut macht sich breit. Das Spiel beginnt von vorne, und selbst Gartenprofis graut es. Doch der Wind beginnt zu drehen, denn für die monotonen Steinflächen gibt es überzeugende Alternativen. Für repräsentative Flächen, die ordentlich aussehen und zugleich pflegeleicht sein müssen, gibt es eine grosse Auswahl an attraktiven Pflanzen, die in steinigen Böden gedeihen und Hitze und Trockenheit vertragen. Für naturnahe Flächen, die pflegeleicht sein müssen aber auch etwas unordentlich aussehen dürfen, bietet sich die Anlage eines Ruderal- oder Pionierstandorts an. Diese reichblühenden Wärmeinseln sind wahre Wildbienen-Eldorados: besonders für bedrohte Arten, die in lockeren, schütter bewachsenen Böden nisten.
Praxistipps
- Ruderal- oder Pionierstandorte eignen sich besonders für kleine Restflächen und in Kombination mit Gebäuden, Mauern, Wegen, Plätzen und Strassen, wo das Klima heiss und trocken, der Untergrund steinig und wasserdurchlässig ist und die Vegetation regelmässig gestört wird.
- Grossflächig fruchtbaren Boden abzutragen, um einen Ruderalstandort anzulegen ist fragwürdig.
- Anstatt mit grobem Schotter oder Steinen werden Ruderalstandorte mit Kiesmaterial angelegt, das auch Feinanteile hat, wie zum Beispiel Wandkies oder Kalkmergel.
- Je magerer der Untergrund, umso weniger wüchsig und deshalb weniger aufwändig im Unterhalt ist der Bewuchs.
- Ruderalstandorte nie wässern oder düngen.
- Die Pflege beschränkt sich auf einen Rückschnitt im Herbst alle 1-4 Jahre und das gezielte Jäten von unerwünschten und/oder allzu dominanten Arten (z.B. invasive Neophyten).
- Viele Ruderalpflanzen sind kurzlebig, blühen erst im zweiten Jahr und sähen sich selber aus.
- Schafft man Lücken im Bewuchs, können ein- und zweijährige Pflanzen wieder keimen und Wildbienen finden offene Bodenstellen für den Nestbau.
- Einige abgestorbene, markhaltige Stängel als Nistplätze von solitären Wildbienen- und Wespen mehrere Jahre stehen lassen.

